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Die Entwickler Mika und Hannes halten eine der ersten Spanplatten aus Hanf in der Hand.

Revolutionäre, plastikfreie Hanfspanplatten

Neue Wege gehen

Jeder hat sie schon einmal gesehen und besitzt in seiner Wohnung irgendein Möbelstück, in dem sie verbaut sind - die Holzspanplatten. Holzspanplatten haben aus Sicht der Umweltverträglichkeit wenige Vorteile. Zwei junge Männer haben sich mit diesem Aspekt beschäftigt und entwickeln eine umweltverträgliche Alternative, welche diesen Bereich revolutionieren wird.

Handelsübliche Holzspanplatten sind Sondermüll

Die Idee zu den heute bekannten Holzspanplatten entstand in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland vor dem Hintergedanken, mehr Holz von gefällten Bäumen verwerten zu können. Die industrielle Produktion großformatiger, dreischichtiger Spanplatten begann ab ca. 1946.*

Dabei werden, einfach beschrieben, Holzspäne unterschiedlicher Größe mit einem Kleber vermischt und unter Hitze und Druck zu einer Platte gepresst. Bei den Klebern handelt es sich teilweise um Melaminharze, die Harnstoff enthalten, was bei der Verbrennung von Erdgas entsteht. In den Klebern ist Formaldehyd enthalten. Genau darin liegen die Probleme mit Holzspanplatten. Die eingesetzten Melaminharze, auch duroplastische Kunststoffe genannt, sind nicht kompostierbar. Das enthaltene Formaldehyd wird während der gesamten Lebensdauer aus den Spanplatten permanent frei gesetzt und kann, je nach Konzentration und Luftbewegung, in geschlossenen Räumen zur Kontamination der Atemluft führen. 

Blick in einen Container mit alten Holz- und Spanplattenresten für die thermische Verwertung.

Zwar werden heute weniger dieser schädlichen Stoffe eingesetzt, aber das Problem besteht weiter: "Spanplatten werden heute noch zu 90% mit Harnstoff-Formaldehyd (UF) als Bindemittel produziert. Diese geben im Laufe der Zeit das gesundheitsschädliche Formaldehyd an die Raumluft ab. Seit 1989 dürfen diese Platten den Richtwert von 0,1 ppm (Emissionsklasse E1) nicht überschreiten. Aber auch bei Einhaltung dieses Wertes besteht die Gefahr, dass allergische Reaktionen auftreten können."** 

Alte Spanplatten landen übrigens überwiegend in der thermischen Verwertung. Häufig sogar als Sondermüll, weil unklar ist, welche Stoffe enthalten sind.

Eine revolutionäre Lösung

Im Frühjahr hörte ich im Rahmen des CAU-Ideenwettbewerbs (CAU - Christian Albrechts Universität in Kiel) von der Idee, Spanplatten zukünftig aus Hanfspänen mit einem natürlichen Kleber herzustellen und sie damit umweltverträglicher und plastikfrei zu machen. Dieser Gedanke ist faszinierend.

Hannes und Mika bereiten die Masse aus Hanfspänen und Kleber vor.


Ich lernte die zwei 23 Jahre junge Männer, die hinter dieser Idee stehen, in Kiel kennen. Mika Siponen studiert Industriedesign an der Kunsthochschule und Hannes Stuhr studiert Chemie und Geographie auf Lehramt. Er hatte auch die Idee von den plastikfreien Spanplatten, wie mir Mika bei unserem Treffen berichtet. Beide sind schon sehr lange befreundet und stammen aus der Nähe von Kiel. Zunächst wurde zu Hause getestet und gebastelt. Inzwischen arbeiten die Beiden in der Werkstatt des Muthesius-Transferparks im Grasweg in Kiel an ihrem Projekt. Es wurde ein StartUp mit dem Namen "RISE Hemp furniture" gegründet. Die benötigten Ausgangsstoffe, wie die Hanfspäne werden aktuell bei einem Tierbedarfshändler bestellt. Das benötigte Pflanzenprotein wird von einem Bäcker bereit gestellt.

Der Grundgedanke ist die Herstellung einer leichten, tragfähigen, bruchsicheren Spanplatte aus Teilen der Hanfpflanze, auch Schäben genannt.

Um mehr über diese besondere Pflanze zu erfahren, klicke im Text auf den blau hinterlegten Begriff Hanfpflanze.

Die Herstellung der Hanfspanplatten funktioniert nach dem Prinzip der herkömmlichen Holzspanplatten. Die Schäben werden mit einem Kleber vermengt, der auf der Basis von Pflanzenprotein hergestellt wird. Die Platten entstehen aus der so entstandenen Masse unter Druck und bei entsprechenden Temperaturen. Nach dem Abkühlen unter Druck ist die Hanfspanplatte fertig. Diese Platten können nach ihrer Nutzung kompostiert werden und müssen nicht als Sondermüll entsorgt werden. Von der hohen Festigkeit konnte ich mich vor Ort überzeugen.

 

Ein Stuhl aus Hanfspanplatten in einem Zimmer. Im Hintergrund Grünpflanzen und links ein kleiner Tisch.

Produkte mit besonderer Ökobilanz

Ein erstes Möbelstück kann ich mir an diesem Tag bereits anschauen. Es handelt sich um einen Stuhl. Dazu gibt es eine Aussage zur Ökobilanz, die nach Angaben von Mika Siponen zwar nur im Rahmen eines kleinen "Testes" ermittelt wurde, jedoch sehr überzeugend klingt. Demnach wurde die Ökobilanz von Stühlen aus Holz, Plastik und Hanf miteinander verglichen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Holzstuhl weist eine CO2-Bilanz von 38 kg, ein Plastikstuhl 67 kg CO2 und ein Stuhl aus Hanfspanplatten hat tatsächlich eine CO2-Bilanz von -1 kg CO2. Das bedeutet, es wird mehr CO2 gebunden als ausgestoßen. Eine weitere besondere Eigenschaft ist, dass Hanf kein Feuer fängt, sonder lediglich glüht. Dadurch eröffnen sich weitere Anwendungsgebiete, z.B. in öffentlichen Gebäuden oder Kindergärten.

Ich kann mir vorstellen, dass der Bedarf an einem Baustoff aus einer schnell wachsenden Pflanze bei problemlosem Umgang im Rahmen der Entsorgung riesig sein wird.

Große Fortschritte

Die Entwickler gehen sogar davon aus, dass die Möglichkeit besteht, die Hanfspäne aus den genutzten Platten wieder herauszulösen und erneut zu verwenden. Da der Kleber aus Pflanzenprotein, Wasser und einigen geheimen, jedoch biologisch abbaubaren, Zutaten besteht, gibt es kein Problem mit dem entstehenden Abwasser. Auf der Webseite ist diesbezüglich eine interessante Aussage zu lesen: "Wir agieren und produzieren im Sinne der Philosophie von Cradle-to-Cradle. Alle aufgewandten Ressourcen finden nach ihrem Gebrauch eine neue Anwendung oder fließen erneut in die Produktion ein. #circulareconomy". ***

Über das Prinzip Cradle to Cradle gibt es auf dieser Seite auch einen Beitrag, der interessant ist.

Aktuell sind weitere Versuchsreihen geplant, um die Eigenschaften zu testen und zu verbessern.

 

 

Ich wünsche Mika Siponen und Hannes Stuhr viel Erfolg und bin mir sicher, dass Unternehmen diese Chance erkennen und sie ergreifen, indem sie sich bei den beiden schlauen Köpfen melden.

Die Fotos wurden mir von den beiden Entwicklern zur Verfügung gestellt.


 

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