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Eine Möwe läuft über einen Strand und an einem Saum von Seegras entlang. Es befindet sich auch ein Streifen mit vielen kleinen bunten Steinchen zwischen dem Meer und dem Saum aus Seegras. Das Wetter ist sonnig und es gibt kaum Wellen.

Das Gras aus dem Meer

Plastikfreie Rohstoffe frei Haus

Wir umgeben uns mit vielen Dingen aus Plastik. Dabei gibt es z.B. eine kostenlose und einfache Alternativen, die uns das Meer direkt vor die Füße wirft. Diese können wir leicht verarbeiten und nutzen.

Plastikfreie Alternativen aus alten Zeiten

Unsere Vorfahren die am Meer lebten, haben fast alles genutzt, was das Meer zur Verfügung stellt. Vieles davon ist heute in Vergessenheit geraten ist. Ein Beispiel dafür ist das Seegras.

Es wächst auf dem Meeresgrund auf sogenannten Seegraswiesen. Bei Sturm lösen sich Teile der langen schwebenden Blätter oder ganze Pflanzen werden aus dem Meeresboden heraus gerissen. Im Herbst werden die Blätter von den Pflanzen abgeworfen, so ähnlich, wie ein Baum seine Blätter abwirft. Die losgelösten Blätter treiben zunächst im Meer und werden bei entsprechenden Winden an die Küsten getragen. Das angespülte Material wird Treibsel genannt. 

Wellen spülen Seegras an den Strand auf dem auch viele kleine bunte Steine liegen.

Besondere Eigenschaften

Auf der nördlichen Erdhalbkugel ist überwiegend das "Große Seegras" (Zostera marina) verbreitet. Es wächst komplett unter Wasser und ist im Meeresboden verwurzelt. Die Seegraswiesen spielen eine große Rolle bei der Festigung des Meeresbodens, denn die Pflanzen sind mit den Wurzeln fest im Meeresboden verankert.

Eine noch wichtigere Rolle spielt das Seegras bei der Speicherung von Kohlenstoff. Bereits während die Pflanze wächst, speichert sie Kohlenstoff in den Blättern.

In den Sedimenten des Meeresbodens, auf denen Seegras wächst, wird wesentlich mehr Kohlenstoff gespeichert, als in Meeresböden, auf denen nichts wächst. Allein in der deutschen Ostsee werden derzeit 3-12 Megatonnen Kohlenstoff gespeichert.

Da Seegraswiesen sehr alt werden, bleibt der Kohlenstoff auch so lange dort gespeichert Quelle: Kohlenstoffhotspots in der Ostsee

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Seit Jahrhunderten nutzen die Menschen an den Küsten dieses natürliche und kostenlose Material, das ihnen durch Wind und Wellen frei Haus vor die Tür geliefert wird.

In getrockneter Form wurde es als Dämmung für die Häuser oder als Dachbedeckung eingesetzt. Es gibt heute noch Häuser (vor allem in Dänemark) auf denen man Seegrasdächer findet.

Die Seefahrer nutzten das Seegras zur Abdichtung der Holzschiffe und auch für die Matratzen der Seefahrer, da das Seegras trotz der hohen Luftfeuchtigkeit auf See nicht verschimmelt. Dies wurde auch in den Haushalten an Land genutzt, indem Matratzen, Kissen und Decken mit dem getrockneten Seegras gefüllt wurden.

In der Landwirtschaft wurde das zerkleinerte Seegras als Bodenverbesserer eingesetzt.

Aktuell wird das Seegras gerade wieder, z.B. als Dämmmaterial, entdeckt. Neben den bereits genannten Eigenschaften vom Seegras ist ein weiterer toller Vorteil, dass es nicht brennt. Das liegt vor allem an dem hohen Silikatanteil der Pflanze und stellt somit für den Bauschutz eine weitere positive Eigenschaft dar. 

In einem Hochbeet wachsen tolle Pflanzen nur auf Seegras

Für Allergiker ist das Seegras als Füllstoff in Kissen und Matratzen ein Geschenk. Aufgrund des bereits beschriebenen hohen Silikatgehaltes mögen Milben, Mäuse und anderes Ungeziefer das Material aus dem Meer nicht. Die Hausstaubmilben und was sonst noch unsere herkömmlichen Kopfkissen und Matratzen so gern besiedelt, sucht man hier also vergeblich.

Kissen, die mit Seegras gefüllt sind schaffen zusätzlich ein gutes Klima im Schlafzimmer, denn sie nehmen die Feuchtigkeit auf, die wir in der Nacht abgeben und dadurch schwitzt Du nicht so stark.

Leider haben die meisten Menschen verlernt, dieses wunderbare Material zu nutzen. 

Ein Kissen wird Seegras gefüllt

Das Problem mit dem Seegras

Das Seegras stellt aber an den Küsten, vor allem in den Badeorten, auch ein Problem dar. Frecherweise liegt es, vor allem nach Stürmen und im Herbst, einfach so am Strand herum. Wenn sich in dieser Masse auch Tang und Algen befinden, beginnt es nach einiger Zeit zu riechen, bzw. es stinkt zum Himmel. Das Seegras alleine würde nicht stinken, es sind die Algen und der Tang, der verwest.

Je nach Wetterlage und Windrichtung fallen solche Mengen an, die nicht mit der Hand entfernt werden können. Dann rücken die Maschinen der jeweiligen Bauhöfe an und laden diese Masse auf. Dabei wird auch jede Menge Sand und Kleinstlebewesen auf die LKW geladen und zu den Bauhöfen der Gemeinden gefahren. Hier wird der Sand vom Treibsel getrennt und wieder zurück an den Strand gebracht, denn Sand ist teuer. Der Rest wird in der Regel als Sondermüll auf Deponien verbracht und dort entsorgt.

Es gibt noch nicht viele Bauern, die das Treibsel als Dünger auf ihren Äckern ausbringen. Doch auch für Kleingärtner besteht die Möglichkeit, getrocknetes Seegras als Dünger einzusetzen. Davon habe ich mich bereits mit eigenen Augen überzeugen können.

Neue Ideen sind gefragt

Das erste Mal habe ich von Seegras als Polstermaterial gehört, als ich einen Beitrag über ein besonderes Möbelstück geschrieben habe. Da bei der Herstellung überwiegend regionale Rohstoffe verwendet wurden, bot sich Seegras als Material zum Kissen polstern an.

So ganz vergessen habe ich das nicht und jetzt war der Moment, mit dem ich mich mal näher damit beschäftigen wollte.

Ich habe also recherchiert und fest gestellt, dass bereits viele Menschen auf die Idee gekommen sind, sich mit diesem Material zu beschäftigen. 

Auf dem Foto ist zu sehen, wie Seegras vorbereitet wird, um dann in ein Kissen gestopft zu werden.

Um mehr Informationen zu bekommen, habe ich einen Termin mit jemandem gemacht, der sich damit auskennt. Kristian Dittman weiß, wie das Seegras "geerntet" und weiter verarbeitet wird. Ich war in Kappeln und habe mir nach der sehr lehrreichen Anschauungsstunde gleich ein mit Seegras gefülltes Kopfkissen mitgenommen.

Und ich hab noch etwas mit genommen: Die Idee, selber Seegras zu sammeln, zu trocknen und für Kissen und als Dünger oder sogar als Austauscherde für meinen Balkon zu nutzen. Denn ich habe dort Hochbeete gesehen, die ausschließlich mit Seegras gefüllt waren. Die Pflanzen, die darin wachsen, sehen aus, als ob sie gleich vor Energie platzen würden. Darüber werde ich im Herbst berichten, wenn die Stürme das Seegras in großen Mengen an Land werfen. 

Mein neues Kopfkissen, welches mit Seegras gefüllt ist - weißer Bezug, 40x80 cm auf Parkettfußboden


 

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