Im Vordergrund liegen die Fasern einer Flachspflanze zusammen mit einige kleine Stängel der Pflanze. Hinter diesen kann man sehen, was aus den Fasern der Pflanze entstanden ist. Es sind eine Garnrolle und zwei Stücke Stoff in unterschiedlicher Qualität sowie ein Glas mit Leinsamen zu sehen.

Kurze Leinenkunde

Knittriger, plastikfreier Edelstoff

Leinen ist ein Rohstoff, der bereits im Mittelalter zur Herstellung von Kleidung genutzt wurde. Auch heute ist Leinen eine gute Alternative für Kleidung aus Kunststofffasern.

Altes Material mit vielerlei Vorteilen

Auf meinem Blog gibt es inzwischen drei Beiträge, bei denen es um Leinen als Alternative zu Plastik und anderen Kunststoffen geht. Um nicht in jedem Beitrag über den Weg von der Pflanze bis zum Leinenstoff zu berichten, möchte ich dies hier in diesem Beitrag einmal zum Nachlesen tun.

Leinen wird aus einer Pflanze hergestellt, die als Gemeiner Lein (Linum usitatissimum) oder Flachs bekannt ist. Ich werde also auch beide Begriffe nutzen. Diese Pflanze liefert neben den Fasern zur Herstellung von Stoffen auch Öl, beziehungsweise ölhaltige Samen (Leinsamen).

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde Flachs in Mitteleuropa in größerem Umfang angebaut. Deutschland zählte damals als weltweit führender Flachsproduzent. Leinenstoffe wurden unter anderem wegen ihrer schmutzabweisenden Eigenschaften genutzt.

Die billigere Baumwolle verdrängte den Flachs ab dem 19. Jahrhundert vom Markt. Dabei ist Baumwolle kein unumstrittener Rohstoff. Pestizide, Düngung, Gentechnik und ein enormer Wasserverbrauch machen den Anbau von Baumwolle zu einem ökologischen Problemfall. Immer mehr Hersteller achten daher inzwischen auf einen verträglicheren Anbau und nutzen nach GOTS zertifizierte Baumwolle.

Aber zurück zum Leinen. In der letzten Zeit ist Leinen wieder gefragter und wird in einigen Ländern Europas vermehrt angebaut. Die wichtigsten Bezugsquellen für Leinen befinden sich in Belgien und Nordfrankreich. Hier werden Leinenpflanzen in Bioqualität angebaut. 

Vom Feld bis zum Leinenstoff

Die genügsamen Leinenpflanzen wachsen am Besten in einem maritimen Klima mit häufigem Wechsel von Sonne, Regen und Wind.

Bei der Ernte werden die Pflanzen im Herbst mit den Wurzeln aus dem Boden gerissen, dies nennt man "Raufen". Anschließend werden sie, auf dem Feld ausgebreitet, liegen gelassen. Durch den Wechsel von Sonne, Tau und Regen "verrotten" die Stängel. Mikroorganismen und Pilze verspeisen das Pektin, welches die Fasern verklebt. Dadurch werden die Fasern gelöst und gleichzeitig Nährstoffe in die Erde zurück gegeben. Das Ganze wird "Tausröste" genannt und dauert ca. 2-3 Wochen.

Danach werden die Stängel eingefahren und getrocknet. Der Holzkern der Stängel wird anschließend mit Hilfe von Zahnwalzen gebrochen und löst sich aufgrund der vorherigen Aktivitäten der Mikroorganismen und Pilze jetzt leicht von den Fasern. In weiteren Schritten werden die Fasern mechanisch von den Stängelresten getrennt und je nach Länge sortiert. Dann werden die Fasern gekämmt, was man auch hecheln nennt, bis sie weich und glänzend sind. 

Leinenfasern, die noch ziemlich grob und rauh aussehen liegen quer auf dem Bild. So grob sieht es vor dem Hecheln aus

Daher kommt auch die Redewendung "...jemanden immer wieder durchhecheln", was ja bedeutet, dass man über eine Person herzieht und das im negativen Sinne.

Anschließend werden die Fasern in Spinnereien zu Garn versponnen und in speziellen Webereien zum Endprodukt, dem Leinenstoff, verwebt. Alle Stoffe, über die ich bisher auf dieser Webseite geschrieben habe, kommen aus Österreich.

Beutel aus Leinen. Im linken steckt ein Brot. Der rechte Beutel ist mit Kidneybohnen gefüllt und auf dem Beutel sitzt eine Schiebermütze.

Das macht Leinen auch sympatisch

Zum ökologischen Vorteil von Leinen gegenüber anderen Faser habe ich folgendes herausgefunden: "Durch den geringen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln wird eine Verschmutzung von Boden und Wassern vermieden. Flachs benötigt außerdem keine künstliche Bewässerung. Damit unterscheidet er sich deutlich von der Baumwollproduktion, die rund 7100 Liter Wasser pro Kilogramm Baumwolle verbraucht. Wären die europäischen Flachsfelder mit Baumwolle bepflanzt, würden 650 Milliarden Kubikmeter Wasser dafür verbraucht. Flachsfasern sind zudem biologisch abbaubar und recycelbar und damit Baumwolle oder synthetischen Fasern deutlich überlegen. Der ökologische Fußabdruck von Flachs ist im Gesamten beeindruckend: So nimmt ein Hektar Flachs pro Jahr 3,7 Tonnen CO2 auf. Die europäische Flachsproduktion vermeidet jährlich 342.000 Tonnen CO2-Treibhausgasemissionen. Zusätzlich werden 300 Tonnen Treibstoff und 300 Tonnen Pflanzenschutzmittel pro Jahr eingespart."  Quelle: Vom Flachs zum Leinen - der Anbau

Alle Teile der Flachspflanze können in irgendeiner Form genutzt werden. Es entstehen keine Abfälle.

Da ich mich auch schlau machen musste, möchte ich für weitere Informationen auf die unten stehenden Links verweisen. Hier sprechen die echten Experten. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann lass mir gern eine Bewertung da und teile ihn mir Deinen Bekannten.

Aus den kleinsten Resten bei der Textilverarbeitung wird Papier geschöpft. Auf dem Foto ist ein Umschlag zu sehen, der aus Abfällen aus einer Schneiderei hergestellt wurde.


 

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